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<title>Lesemaschine</title>
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<lastBuildDate>Sun, 25 Jul 2010 18:24:02 +0200</lastBuildDate>
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<title><![CDATA[Ist Fleisch mein Gemüse? (0-17)]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:500px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/eatinganimals1.jpg" width="500" height="375" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Zwischen Tier und Essen.</span></span><br><br clear="all"><br clear="all"><br>Als ich das Buch "Eating Animals" von Jonathan Safran Foer erwerbe, fragt mich die Buchhändlerin, ob sie mir das Buch "Eating Animals"  von Jonathan Safran Foer in ein Sackerl packen solle. Ohne lange nachzudenken, sage ich, ja, bitte, sonst nie, aber heute schon, weil, ich müsse gleich noch einen Fischkauf tätigen, denn genau das hatte ich vor, und ich wollte nicht 344 Seiten lang den mürbe werdenden Odeur von Bachsaibling einatmen. Sie schaut mich beim Eintüten  mit einem leicht gequälten Lächeln an, als hätte ich einen schwachen Witz gemacht. Erst Stunden später fällt mir auf, dass man das in der Tat für einen schlechten Witz hätte halten können.<br><br>Ich esse gerne Tiere. Und ich finde Tiere ebenso super, wenn sie intakt und in Betrieb sind. Seltsamerweise &ndash; und das fällt mir jetzt beim Lesen auf &ndash; sind die Tiere, die ich gerne esse, sogar genau die, die ich im lebendigen Zustand besonders sympathisch finde. Schafe zum Beispiel. Oder Oktopusse. Beim Tauchen sah ich einmal einem stattlichen Oktopus beim Verrichten oktopusartiger Tätigkeiten zu. Etwas Schöneres habe ich selten gesehen. Ganz offensichtlich spielfreudige, listige, freundliche, neugierige und kluge Tiere. Aber hey, die Trattoria "Zum lustigen Tiefseetaucher" hat frische Calamares im Angebot? Nur her damit! Das kann man zu Recht kritisieren, ebenso wie meinen fadenscheinigen Hinweis, immerhin würden maritime Kopffüssler nicht in Legebatterien gehalten. Möglicherweise werden sie ja doch?<br><br>Man weiss so wenig. Vermutlich habe ich mich bisher nicht mit Tiere-Ess-Fragen   beschäftigt, weil mir die öffentliche Diskussion so quasireligiös erschien, und ich eine gründliche Abneigung gegen das Prinzip des Missionierens hege. Ein Blick in die Amazon-Rezensionen zu "Eating Animals" bestätigt das Schema: "Leider hat Jonathan Safran Foer völlig die Erkenntnisse von Professor [völlig unbekannter Name] unterschlagen, nach denen bekannterweise [völlig abstruse Theorie]!!! Wie kann man so etwas Selbstverständliches nicht erwähnen ??? Leider 0 Sterne !!!"<br><br>Wieso kaufe ich dann also dieses Buch? Erstens ist das Cover kuhweidengrasgrün und hat eine schöne Krakeltypographie. Zweitens gefällt mir die lakonische Schlichtheit des Titels (das dürfte vom Titelerfinder auch so beabsichtigt sein). Und dann scheint mir der unbedarfte, undogmatische Blick eines JSF, der, wie er in der Einleitung erklärt, bisher ein opportunistischer Tralala-Teilzeitvegetarier war, schon mal sympathisch. Man wird sehen, ob sich meine Liste von zu essenden Tieren geändert haben wird, wenn ich bei Seite 344 angelangt bin. <br>Ich halte zur Sicherheit notariell fest: Bei Seite 0 umfasst diese Liste mehr oder weniger die Gesamtheit der Fauna.</p>]]></description>
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<dc:creator>Maik Novotny</dc:creator >
<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 23:53:28 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Grand Erg du Bilma (45-101)]]></title>
<description><![CDATA[<p>Was bleibt uns anderes zu tun als zu googeln.<br><br><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Centralia,_Pennsylvania">Centralia</a> liegt im Osten von Pennsylvania, irgendwo auf halbem Weg zwischen New York und Pittsburgh. Die Grubenfeuer von 1969 waren nicht die erste Kohlekatastrophe in der Gegend, dunkel erinnere ich mich an das Avondale Mine Desaster von 1869 (Feuer, 110 Tote) und das Knox Mine Desaster von 1959 (Wasser, 12 Tote). Offenbar starb niemand in Centralia, als das Feuer ausbrach, abgesehen vom Land. Seit 1962 brennen die Feuer in den Minen. Dieselbe Gegend sah auch tatenlos beim Kohlestreik von 1902 zu, aber das kann man der Gegend kaum vorwerfen. All das ist eindeutig den Akten zu entnehmen.<br><br>Der mythische Fluss <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Buenaventura_River_%28legend%29">Buenaventura</a> wiederum existierte nur zwischen 1822 und 1844, und zwar auf der Landkarte. Es gab ihn nie in Pennsylvania, nie in Missouri, nie in Florida, und seltsamerweise auch nie in den Rocky Mountains, aber dort zumindest auf der Landkarte. Bis J.-C. Fremont den Fluss tötete, und zwar mit Hilfe der altmodischen Technik des Nachschauens. Nachschauen ist etwas, das nicht viele Lebewesen können. Na gut, genaugenommen sogar ziemlich viele, wie viele genau, das sollen andere googeln.<br><br>Immer weniger klar ist mir der Zusammenhang zwischen Fiktion und Realität. Ich meine, das, was man gemeinhin darunter versteht. Ich verstehe zum Beispiel, warum die Dörfer rings um Centralia Namen haben, die wie Schweizer Dörfer klingen. Ich verstehe auch, warum Fremont in der Fiktion Le-Mont heisst. Ich verstehe, warum der fiktive Fluss in der Fiktion in Pennsylvania vermutet wird. Meta-fiktive Flüsse können von mir aus machen, was sie wollen. <br><br>Ich verstehe nicht, warum in Pennsylvania auf einmal auch eine neue Zeitzone anfangen muss. Reichte die Wasserscheide nicht? Ich verstehe nicht, wieso Margarete Hemingway kennt, von dem nichts im Regal steht. Nichts. Ich verstehe nicht, warum Finlaysons Karte von 1822, auf der der Fluss Buenaventura eingezeichnet war, in der Fiktion von 1823 ist. Welchen Sinn sollte es haben, diese Zahl um eins zu erhöhen? Nur für den Kick? Warum hat Fremont viel später in der Fiktion auf einmal den Fluss in die Karte eingetragen, wo er ihn doch daraus entfernt hat? Und letztlich ist auch schwer zu verstehen, warum die Kohle von Pennsylvania etwas mit dem Meer zu tun haben will. Soweit ich das verstehe, entstand sie vor 300 Millionen Jahren, und zwar in einer Sumpflandschaft. Wasser war im Spiel, aber Meer? Die Fossilien jedenfalls wissen nichts von Meer, und Fossilien lügen nie. Ausserdem denken sie sich nichts aus.* Im selben Zeitraum übrigens entstand der Superkontinent Pangäa, das ist ein Fakt. Warum orientieren sich Kapitäne an Wind und Wetter? Warum hat Fritzi bei ihrer eigenen Geburt zugesehen? Kann man in Centralia Drogen kaufen?<br><br>Offenbar gibt es in Centralia heute eine männliche Person unter 18 und noch eine Person zwischen 18 und 24, die Jugend der Stadt. Centralia hat keine eigene Polizeistation mehr. Es ist nicht schwer, damit klarzukommen, dass die Fiktion das anders sieht. Es ist auch nicht schwer zu sehen, warum man in Centralia über das Leid der Jugend klagt, es gibt sicher kein Kino und nicht mal eine Bushaltestelle. Aber warum Fremont, der immerhin schon 30 und Expeditionsführer war, plötzlich auch zu den Jugendlichen zählen soll und zu einem Instrument der leidigen Teenagerklage wird, das sollen andere herausfinden. Ganz zu schweigen von den Tierkadavern. Tierkadaver, bitte.<br><br>* Einen Roman aus der Sicht eines Fossils könnte man auch mal schreiben.</p>]]></description>
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<dc:creator>Aleks Scholz</dc:creator >
<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 01:40:05 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Das Internet von damals (1-9)]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:300px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/dudley_karussell.jpg" width="300" height="219" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Einige Nachfolger der Dampfmaschine, Black Country Living Museum, Dudley. Vorne rechts junge Briten in einem <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Little_Willie">"Little Willie"</a>-Panzer (1915).<br>Foto: Franziska Leonsen</span></span><br><br clear="all">Wolfgang Schivelbuschs "Geschichte der Eisenbahnreise &ndash; Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert" fängt mit Newcomens atmosphärischer Dampfmaschine an. Die Newcomen Engine war die erste Dampfmaschine der Welt, und ich fühle mich ihr persönlich verbunden. Im Januar war ich zum <a href="http://www.toughguy.co.uk/">Tough Guy Contest</a> mit <a href="http://lesemaschine.de/index.html?autor=Angela_Leinen">Angela</a>, Franziska und <a href="http://lesemaschine.de/index.html?autor=Aleks_Scholz">Aleks</a> nach Wolverhampton gereist, das im "Black Country" liegt, im 18. und 19. Jahrhundert eins der Haupt-Kohlereviere Grossbritanniens. Es heisst, das Black Country habe Tolkien als Vorbild für das Land Mordor gedient. Heute ist es dort wieder grün, und man kann die Mordorverhältnisse im <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Black_Country_Living_Museum">Black Country Living Museum</a> besichtigen. Wo andere Freilichtmuseen alte Schweinerassen und Wassermühlen enthalten, regieren hier die Industrialisierung und die Kohle auf einem Gelände, zu dessen Besichtigung man eigentlich den ganzen Tag bräuchte.<br><br>Weil wir nicht den ganzen, sondern nur einen halben Tag Zeit hatten, bevor wir uns auf der <em>Mr. Mouse Farm For Unfortunates</em> einfinden und  registrieren mussten, warfen meine Mitreisenden nur einen Blick durch die Tür in den Raum, in dem eine <em>working replica</em> der nur ein paar Kilometer weiter erfundenen Newcomen Engine steht. Sie füllt ein ganzes Haus, das <a href="http://www.bclm.co.uk/images/newcomen.jpg">so aussieht</a>. Manchmal läuft sie auch. Das sieht dann <a href="http://farm5.static.flickr.com/4056/4447731795_4520453816.jpg">so</a> aus. An diesem Tag stand sie jedoch still, und im Inneren des Hauses war ungefähr <a href="http://www.oldengine.org/members/arnie/yank2000/newcomen.jpg">das hier</a> zu sehen, nur viel mehr davon. Die Newcomen Engine wirkt wie vom Dorfschmied aus alten Zinkbadewannen zusammengeklopft, was im Grossen und Ganzen den Tatsachen entspricht. Sie ist ein enormes Ding in ihren Ausmassen wie in ihren Auswirkungen. Ich betrachtete sie eingehend und las alle Tafeln durch, falls ich eines Tages in eine Zeitmaschine geriete und dem Mittelalter die Dampfmaschine erklären müsste. Man will dann ja nicht nur mit Rindenboot, Teelicht und ausgeblasenem Ei dastehen. Den Tafeln war zu entnehmen, dass der Kolben sich in der Newcomen-Engine wieder zurück in die Ausgangsposition bewegt, weil man kaltes Wasser in den Zylinder spritzt. Heute gibt es dafür elegantere Lösungen, ich weiss zwar noch nicht, welche, aber gebt mir <acronym title="Also zusätzlich zur Zeitmaschine natürlich.">ein paar alte Badewannen und einen Dorfschmied</acronym>, dann kommen wir klar, das Mittelalter und ich. Ich lief den anderen nach und sagte: "Das ist das Internet von damals! Und ihr geht einfach so dran vorbei!"<br><br>Bei Schivelbusch heisst es, die Newcomen-Dampfmaschine habe zum ersten Mal "im Kohlerevier von Newcastle" Anwendung gefunden. Aber das stimmt nicht. Es war genau dort, in Mordor, und ich war quasi dabei. Was sind schon 200 Jahre unter Freunden.</p>]]></description>
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<dc:creator>Kathrin Passig</dc:creator >
<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 20:05:18 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Florida (1-44)]]></title>
<description><![CDATA[<p>Eigentlich sollte ich mich mit Zeit befassen. Dringend muss ich mehr über Zeit wissen, viel wichtiger, ich muss dringend mehr darüber wissen, was wir nicht über Zeit wissen, warum das so ist und was man dagegen tun kann, ausser verzweifeln. Dazu müsste ich Bücher lesen mit richtigen Fakten und Zeug, und das mache ich auch gleich wieder. Zwischendurch mal was Ausgedachtes. Ich lese sonst nie Ausgedachtes. Ich frage mich ausserdem, was Arthur von mir will. Arthur heisst die Katze, irgendeine Katze.<br><br>Es war nicht trivial, an das Buch zu kommen. Als es auf der Insel ankam, verschwand es zunächst in einer Spalte der Poststelle, an die sich niemand mehr erinnern konnte. Die Poststelle ist im Keller des Shelbourne-Hauses eingebaut, ein angenehmer, kühler Ort mit Neonlicht, Ordnung, vielen Fächern, leisem Radio und zwei Männern ohne Haaren, die durch eine Luke mit einem sprechen. Dazu müssen sie sich bücken. Nach ein paar Tagen stellt sich das Buch wieder an einem normalen Ort ein. Auf dem Einband abgebildet ist ein Geierviertel, so ungefähr jedenfalls. Ich halte den Geier kurz neben Arthur; ihre Augen ähneln sich. <br><br><span class="bild" style="width:500px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/florida.jpg" width="500" height="375" alt=""><br><span class="bildunterschrift"><a href="http://www.flickr.com/photos/hawleyjr/635227635/">Quelle</a></span></span><br><br clear="all"><br clear="all">Immer weniger glaube ich an die Gegenwart. Es macht einfach keinen Sinn, an das Vergehen der Zeit zu glauben, nicht, wenn die Perspektive die eines Wissenschaftlers ist. Die Gegenwart, der rote Punkt, der langsam durch die Zeit wandert, existiert nur, weil <em>ich</em> existiere. Die Welt soll aber auch ohne mich funktionieren. Es gibt kein Jetzt da draussen. Es gibt keinen roten Punkt da draussen. Kein einziges Experiment hat je einen roten Punkt in der Zeit ans Licht gebracht.<br><br>Unter diesen Umständen ist es schwer, ein Buch zu lesen, in dem alles voller Jetzt ist. "Später ist es zu spät, es ist jetzt, immer <em>Jetzt</em>, und <em>Unbedingt.</em>" Die Markierungen stehen genau so da, ihre Existenz beklagenswert. Aber es ist trotzdem falsch zu behaupten, die Vergangenheit sei vorbei und die Zukunft noch nicht da. Alles ist da, fast hätte ich <em>immer schon</em> gesagt. Aber <em>immer schon</em> gibt es ganz sicher auch nicht. Die Ungewissheit der Zukunft ist unser Problem, nicht das der Welt da draussen. Wer sich davon nicht löst, wird nicht klarkommen. Margarete Stein muss noch lernen. Ihr Regal enthält leider kein einziges Buch über Physik und nur eine Einführung in die Astronomie. Arthur geht jetzt.<br><br><strong>gut:</strong> Riesenwels, Fragezeichenorgie (Seite 25-26), angenehme Nahrungsmittel, gute Sätze, mehr gute Sätze, wirrer Quatsch<br><br><strong>schlecht:</strong> bedrohliche Supermetaphern (Land, Fluss, Buch), erheblicher Actionmangel, wirrer Quatsch <br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 31%;"></div></div><p class="progressbartext">44 von 143 Seiten</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Aleks Scholz</dc:creator >
<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 02:00:44 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Ratlosigkeit und Stagnation]]></title>
<description><![CDATA[<p>Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Margarine Wal enthält. In den 1930er Jahren wurden 30-50 Prozent der europäischen Margarine aus Wal hergestellt. Besonders beliebt war Walmargarine in Deutschland, Grossbritannien und Holland. Dass das eklig ist, darauf <acronym title="entnehme ich dem Buch; zehnminütiges Googeln gibt allerdings nichts dazu her">wiesen bald auch die Nazis in einer Kampagne zur Stärkung der deutschen Butter hin</acronym>. Dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walfang#Deutscher_Walfang">Wikipediaeintrag "Deutscher Walfang"</a> kann man Wörter wie "Speckschneidermaat" entnehmen.<br><br>"The Shock of the Old" ist ein Buch voller Zahlen, Daten und schöner Fakten, die aber die Grundidee nicht weiter voranbringen. In den letzten beiden Kapiteln geht es noch einmal zusammenfassend darum, dass und warum man Erzählungen von der Art und Logik des technischen Fortschritts skeptisch betrachten soll. Implizit kann man dem Buch auch entnehmen, dass es ratsam ist, erst Fakten zu sammeln und dann Dinge zu behaupten. Das macht mir Sorgen, denn ich halte es eigentlich meistens umgekehrt. Einmal in meinem Leben habe ich wirklich gründlich sämtliche Fakten zu einem Sachverhalt gesammelt. Das dauerte einige Jahre und kostete einen Grossteil meines damaligen Einkommens. Das Ergebnis interessierte niemanden; ich hätte eine Doktorarbeit daraus machen können, die dann auch keinen interessiert hätte. Was soll man daraus jetzt lernen?<br><br>Mit dem Vortrag bin ich auch noch keinen Schritt vorangekommen.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 100%;"></div></div><p class="progressbartext">212 von 212 Seiten</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Kathrin Passig</dc:creator >
<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 18:13:19 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Mühsame Fortschritte]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:300px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/mehr_haftmarker.jpg" width="300" height="202" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Alles meins, meins!</span></span><br><br clear="all">Inzwischen besitze ich Haftmarker in mehreren Grössen und mit praktischem Lesezeichenclip, aber bei "The Shock of the Old" ist das alles keine grosse Hilfe. Auf jeder Seite stehen zahllose schöne Fakten über Atombomben, Ochsen, Spinnräder, Traktoren und Eternit, aber wenn ich am Ende der Kapitel versuche, eine zusammenhängende Idee dahinter zu erkennen, scheitere ich. Vielleicht ist es die Hitze, vielleicht liegt es an David Edgerton. Was ich bisher dazugelernt habe, ist bescheiden:<br><br>- Eventuell (d.h. wenn Edgerton recht hat) war der Einsatz von Atombomben im Zweiten Weltkrieg weder billiger noch effizienter als konventionelles Bombardieren. Eventuell wären die Deutschen besser beraten gewesen, zum Preis der V2 stattdessen 24.000 Kampfflugzeuge zu bauen. Eventuell stimmt auch die Geschichte von der Kriegsverkürzung durch den Einsatz von Atombomben in Japan nicht, aber da wüsste ich dann doch gern mehr, als Edgerton auf zwei Seiten erklärt, bevor ich mich mit Scot Stevenson von <a href="https://usaerklaert.wordpress.com/">USA erklärt</a> anlege. <br><br>- Im Zweiten Weltkrieg kostete es 500 Millionen US$, eine Stadt auf die eine oder andere Art zu zerstören. Ist ja auch nützlich, da mal konkrete Zahlen zu kennen, bevor man leichtfertig beschliesst, irgendwas zu bombardieren.<br><br>- Eine neue Technologie muss sich nicht an einem Paralleluniversum messen lassen, in dem gar nichts Vergleichbares existiert, sondern an ihren Alternativen. Im Vergleich zu diesen Alternativen sehen Technologien offenbar zu jedem Zeitpunkt nur wenige Prozent besser aus.<br><br>- Nach einer Studie von 2003 gab es zu diesem Zeitpunkt in Grossbritannien unbenutzte Haushaltsgeräte im Gegenwert von 3,2 Milliarden Pfund, darunter 3,8 Millionen brachliegende Fonduesets.<br><br>- <em>"Much of the discourse on technology is a commentary on philosophical and other writings on technology. There is a danger that descriptions of technology turn into realities which are used to explain the nature of modern society."</em><br><br>- Es gibt ein Wort für "maintenance engineering": <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Terotechnology">Terotechnology</a>.<br><br>- Reparatur- und Wartungsarbeit existiert losgelöst von der Massenproduktion und hat wenig bis gar nichts mit ihr zu tun.<br><br>- Wenn eine Fertigungsanlage komplett durchautomatisiert wird, kann es passieren, dass die zusätzlich entstehenden Wartungskosten die Arbeitsersparnisse übersteigen. Vielleicht hat Michael Brake doch recht mit seiner Zukunftsvision einer Systemadministrokratie.<br><br>Nutzen für den Innovationsvortrag bisher: Keiner bzw. ein negativer, denn ich weiss jetzt weniger als vorher. Was natürlich immer gut ist, nur nicht gerade dann, wenn man einen halbstündigen Vortrag halten soll.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 42%;"></div></div><p class="progressbartext">87 von 212 Seiten</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Kathrin Passig</dc:creator >
<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 16:54:54 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Die neuen Dinge]]></title>
<description><![CDATA[<p>Ich lese "The Shock of the Old  &ndash; Technology and Global History Since 1900" auf Empfehlung von Philipp Albers zur Vorbereitung auf einen Vortrag über "Innovation", den ich demnächst halten soll, das Datum habe ich erfolgreich verdrängt, es ist jedenfalls weder heute noch morgen. Das Buch knüpft offenbar da an, wo meine Erkenntnisse aus dem Strombuch endeten: Unsere Wahrnehmung einer neuen Technologie hat wenig damit zu tun, was sie leistet und viel mit der Erzählung, die sie umgibt. Oft ist das eine Erzählung vom Weltfrieden, von der Emanzipation der Schwachen und vom Untergang alter Hierarchien zugunsten einer Meritokratie.<br><br>Den Vortrag habe ich freiwillig zugesagt, ich hätte gern mindestens ein zweites berufliches Standbein, besser noch ein drittes und viertes. Bis vor wenigen Jahren hatte ich alle diese Beine, und jetzt bin ich finanziell fast vollständig von der Verlagsbranche abhängig, einer Branche, deren Zukunft mir umso mehr Sorgen macht, als man dort offenbar immer noch ganz unbesorgt in die Zukunft blickt. So it goes. Für ein paar Wochen dachte ich "vielleicht Vorträge!", schliesslich werde ich regelmässig eingeladen, über irgendwas zu reden, wovon ich auch nicht weniger verstehe als andere. Ich halte sehr schlechte Vorträge, es sei denn, ich bin vorbereitet, dann halte ich mittelmässige Vorträge. Inzwischen glaube ich, Vorträge sind auch keine Lösung. Vielleicht macht es die Verlagsbranche ja auch noch eine Weile. Meine Vorstellungen davon, wie schnell sich die Welt durch Innovationen verändert, waren schon bisher nicht die präzisesten, warum sollten sie es diesmal sein?<br><br>"The Shock of the Old" ist, sagt der Autor, anders als andere Bücher über Technologiegeschichte nicht "for boys of all ages", sondern für Erwachsene geschrieben. Es wird um "use-centred history" gehen, um Dinge statt um Technologien, um die unordentlichen Wege des Fortschritts, die Überschätztheit von Innovationen und die gleichzeitige Existenz verschiedener Lösungen für dasselbe Problem. Auf den ersten Seiten altere ich wie vorgesehen um zwanzig Jahre, danach passiert erst mal nicht mehr viel.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 25%;"></div></div><p class="progressbartext">51 von 212 Seiten</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Kathrin Passig</dc:creator >
<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 13:42:47 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA["Hebt eure kleinen Fäuste wie Antennen zum Himmel"]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:500px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/rannochmoor.jpg" width="500" height="333" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Schottland, einzige postapokalyptische Landschaft Europas (<a href="http://www.flickr.com/photos/72486075@N00/429500916/">Foto</a>)</span></span><br><br clear="all"><br clear="all"><br>Es gibt genau zwei Dinge, denen ich vollkommen unkritisch begegne, und zwar Geographie und Postapokalypse. Dorothee Elmigers <a href="http://bachmannpreis.eu/de/texte/2552">Einladung an die Waghalsigen</a> hat beides und kann daher gar nicht verlieren*. Beim ersten Hören blieb der Sinn angenehm unscharf (ringsum angestrengte "hä"-Laute im ORF-Pressezentrum), aber die Wörter kamen sofort durch. Wenn es eine Gattung der Superwörter gibt, dann ist dieser Text voll davon: Flugmaschinen, Mekongdelta, Hotzentötzbrücke, eine lange Liste von Wüstennamen. Wüstennamen sind die Grosswesire unter den Superwörtern.<br><br>Inhaltlich geht es wohl um zwei Schwestern, die versuchen, sich in einer verwüsteten Landschaft mit Fördergerüsten und Schienensträngen zurechtzufinden, wobei sie vor allem auf Bücher angewiesen sind, viele verschiedene Bücher. Wenn man vorher John Hillcoats <a href="http://www.imdb.com/title/tt0898367/">The Road</a> gesehen hat oder wenn man einmal in den schottischen Highlands war, ist es nicht schwer, sich die Gegend vorzustellen, speziell wenn gleichzeitig Samuel Barbers <a href="http://www.youtube.com/watch?v=izQsgE0L450">Adagio for Strings</a> läuft**, keine Ahnung, wie last.fm das macht. Genau wie bei 'The Road' auch diffus im Unklaren die Ursache des Weltuntergangs, irgendein Feuer, irgendwelcher Aufruhr, man weiss es nicht, und wer will das auch hinterher noch wissen. <br><br>Die Ortsangaben im Text ergeben keinen rechten Sinn; die Geschichte spielt in einem Kohlerevier, die Orte heissen St. Beinsen, Belkenburg, Wildenstadt, Wärgl, alles Orte, die vage in der Schweiz liegen könnten, bei denen Google Maps jedoch hilflos mit den Schultern zuckt. Stattdessen behauptet die Erzählerin, Rosa Stein, ein in diversen Büchern erwähnter Fluss Buenaventura würde, ihren Nachforschungen zufolge, durch dieses Gebiet fliessen. Im Text fliesst der Buenaventura durch Florida, in einen grossen See oder in den Pazifik, eindeutig aber in Nordamerika. Oder vielleicht auch in Italien, wie man später erfährt. Entweder wünscht sich Rosa Stein diesen Fluss und geht ihn deshalb in ihrem deutschsprachigen Kohlenrevier suchen, oder aber die Geschichte ist prinzipiell geographisch verwirrt und Missouri liegt direkt neben dem chinesischen Meer. Mir ist das natürlich vollkommen egal.<br><br>Die Liste der gutzufindenden Dinge ist lang, aber ganz oben steht der Optimismus, der am Ende übrigbleibt (wieder Parallele zu 'The Road'). Es ist leicht und ein bisschen trivial, das Ende der Welt als genau das darzustellen, aber zwar die Verzweiflung durchblicken zu lassen ("Wir sind wohl zu spät gekommen."), den ganzen Dreck zu akzeptieren und trotzdem auf irgendeine Weise hoffungsvoll zu sein ("Wir müssen zu Recht behaupten, dass dieser Zustand nicht der letzte ist."), trotz allem nicht zu jammern, sondern entschieden 'muss auch so gehen' zu konstatieren, das, also, das wünsche ich mir von der postapokalyptischen Literatur, wenn es dann noch Literatur geben sollte. Sollte es sie dann nicht mehr geben, wünsche ich mir, dass Wassermann mir <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832196129?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3832196129">Elmigers Buch</a> zuschickt, von mir aus auch mit Anstreichungen.<br><br>noch nicht existierende Praxis: mit Tierkörpern durch die Wohnung gehen<br>unklare Metapher: das Fell des Pferdes<br>wiedererkanntes Personal: Karl Danz, erster Trompeter der örtlichen Blasmusik, ist der Vater eines Schulfreundes von damals, wohnhaft in Salmünster<br><br>* und tut es dann auch nicht: Gewinnerin des Kelag-Preises und des Preises der Automatischen Literaturkritik der Riesenmaschine<br>** Das ist jetzt keine kulturhistorische Angeberei, sondern die Titelmelodie eines total bekannten Kriegsfilms.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 86%;"></div></div><p class="progressbartext">12 von 14 Autoren</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Aleks Scholz</dc:creator >
<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 23:22:10 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Textiles Durcheinander]]></title>
<description><![CDATA[<p>Ich erkenne eine Depression, wenn ich sie sehe, denke ich irgendwann während ich lese. Beim Erzähler, nicht beim Autor. Nur nicht vom <a href="http://lesemaschine.de/index.html?nr=20100623182012">schwarzen Rollkragenpulli</a> auf den "wenig Abwechslung bietenden Kleiderkasten" schliessen. Grau und Schwarz, das sind die Farben dieses Jahrhunderts, so Thomas Ballhausen in seinem an Fantasyliteratur erinnernden Beitrag "Cave Canem". Welches Jahrhundert das sein mag, darf man sich selbst aussuchen, es finden sich Hinweise aufs alte Rom, das Ganze könnte aber auch in der Zukunft oder in Mittelerde nach einer der grossen Schlachten spielen. Wegen der Türme. Moment mal, Türme, da war doch noch was? Nein, falsche Fährte, die hier stehen noch, auch wenn sie bereits "in einen Prozess des Schwindens, des schleichenden Verfalls eingetreten" sind.<br><br>Der Autor gewinnt mich durch Unterwanderung meiner Erwartungen. Tarotkarten  sind nicht das, was man beim Komparatisten als Inventar im Text suchen würde. Ich oute mich jetzt mal als Kennerin der Materie. Ergibt die Quersumme der Ziffern auf einem Nummernschild eine Drei, denke ich automatisch "Herrscherin", Fruchtbarkeit, Wachstum, Kreativität. Filmregisseuren geht es sicher genauso. Voraussetzung sich in Hollywood Director nennen zu dürfen, ist ein abgeschlossener Tarotkurs, in Verbindung mit einem Seminar für Numerologie. Das Close auf die Zimmernummer gibt schon vorab Hinweise darauf, wie das Treffen des Paares im Hotelzimmer ablaufen wird. Bleiben wir bei den von Thomas Ballhausen verwendeten Karten: Eine Sechs, die Liebenden, das erklärt sich von selbst, sieht man heute aber kaum noch, zu offensichtlich. Bei einer Neun, die für den Eremiten steht, ist es wahrscheinlich, dass es sich die Hauptdarstellerin auf dem Weg anders überlegt hat und der Hauptdarsteller lange warten kann &ndash; sie wird nicht kommen. Und die Sechzehn, der Turm, steht für eine Katastrophe oder was völlig Revolutionäres. Also entweder draussen Godzilla oder drinnen wilder Sex. Ohne das Wort "Gesäss", wenn es nach Juror Burkhard Spinnen geht. "Gesäss", so sagt er, sagt man nicht, geht es um Sex.<br><br>Darauf, dass sich in der Erzählung ein Hinweis auf Kubricks Eyes Wide Shut verbirgt, musste mich erst die Jury bringen. Vermutlich nicht die einzige Anspielung, die mir entgangen ist. Die von Thomas Ballhausen entworfene Welt  ist voller Zitate und Verweise. Der Weg, den der Held der Geschichte hier aus der Abenddämmerung der Schwermut kommend, über die Erlösung durch körperliche Liebe ins Sonnenlicht geht, das eine alte rostige Kette freilegt, an der wohl der titelgebende Hund hing, vor dem man sich in Acht nehmen soll, dieser Weg verläuft nur scheinbar gerade. Tatsächlich führt er unzählige Stiegen auf und ab und kreuz und quer, denen ich nicht immer folgen konnte.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 79%;"></div></div><p class="progressbartext">11 von 14 Autoren</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Michaela Gruber</dc:creator >
<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 12:55:24 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[No Tales from the Crypt]]></title>
<description><![CDATA[<p>Bis zum Ende des zweiten Absatzes geht der Text von Max Scharnigg okay, der im Titel proklamierte Anspruch ("Die Besteigung der Eigernordwand unter einer Treppe") ist sogar wunderbar verquer. Er ist nicht unbedingt popliterarisch, muss auch nicht, macht man ja auch gar nicht mehr heute, aber immerhin gibt es keine Scheu vor Ovomaltine und Markensportbekleidung, erwähnte Figuren haben Echtweltbezug (Anderl Heckmair), die "Mammut-Extreme"-Jacke transponiert das heroische Alpinistenthema in die profane Gegenwart. <br>Man sieht nicht aus dem Fenster, schweigt und raucht, sondern kommt mit der U-Bahn von der Arbeit und hört den "Mammut-Extreme"-Jacken-Trägern bei ihrer deformierten Konversation zu. Es hätte unterhaltsam werden können.<br>Aber: "Ich war überarbeitet", der Text leider auch. Vielleicht das Drama des begabten Journalisten, der zeigen will, dass er auch Literatur kann? Die Hauptfigur findet sich zwar nicht in einen Käfer verwandelt, aber immerhin so weit verändert, dass sie wie ein Insekt wochenlang ohne Nahrung und Ausscheidung unter der Kellertreppe verharren kann. Das wird so matter-of-factly zur Kenntnis genommen wie der Umstand, dass oben bei der Freundin ein fremder Mann ist. Dass das an Kafka erinnert, findet auch die Jury. In manchen Rezensionen ist so was immer noch als Referenz gedacht, die einem Text Superkräfte verleihen soll; in der Regel wirkt es wie Kryptonit. Es ist dabei gar nicht schlecht gemacht, sondern eine ziemlich gelungene Übernahme. Nur wirkt das, als würde man im Jahr 2010 bei der Bewerbung an der Kunsthochschule eine Mappe mit Siebdrucken von Campbelldosen einreichen. <br>Vieles andere &ndash; die Nachbilder auf den Lidern zum Beispiel oder der Vergleich von Zeitungen im Briefschlitz mit Sprengladungen im Fels &ndash; könnte ein hübsches Panel in einem Comic sein, aber es fehlt die Handlung, wegen der man sich das Ding zuallererst anguckt. Dass das Geschehen was auf die Rippen braucht, hat der Autor zwar gemerkt, es wird Paprikahendl angeboten, nur leider nicht mehr rechtzeitig.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 72%;"></div></div><p class="progressbartext">10 von 14 Autoren</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Britta Krawtschik</dc:creator >
<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 12:14:10 +0200</pubDate>
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