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<title>Lesemaschine</title>
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<lastBuildDate>Thu, 14 Jul 2011 15:09:19 +0200</lastBuildDate>
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<title><![CDATA[Die Geschwister-Nummer]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:250px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/geschwister.jpg" width="250" height="333" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Geschwister</span></span><br><br clear="all"> Ich hatte mir in diesem Jahr fest vorgenommen, für die Veranstaltung in Klagenfurt und die von mir zu kommentierende Anne Richter mehr Zeit aufzuwenden als im vergangenen Jahr für Iris Schmidt. Donnerstag und Freitag fielen jedoch wieder wegen Büro aus, das war vorhersehbar gewesen und einkalkuliert. Am Samstag dagegen sass ich früh vor dem Fernseher, den fälligen Teilwasserwechsel hatte ich extra bereits in der Vorwoche besorgt, und hatte 3SAT eingeschaltet; die Kinder haben jetzt einen eigenen Fernseher und die Konfliktsituationen sich folgerichtig deutlich reduziert. Ich schalte übrigens öfters am Wochenende 3SAT ein, von 7.30 Uhr bis 9.00 Uhr läuft dort das Alpenpanorama, wo man bei unaufdringlicher bayrischer Volksmusik die zahlreichen Web- und Panoramakameras der alpinen Urlaubsorte und der südeuropäischen Grossstädte verfolgen kann, das ist ungeheuer entspannend. Heute (Sonntag) morgen konnte man mehrere Minuten das Schicksal einer Budapester Spinne verfolgen, die sich vor dem Objektiv ihr Netz gesponnen hatte, während im Hintergrund die ungarische Hauptstadt in Zeitlupe an einem vorbeizog. Zurück zum Samstag: Zwischen dem Ende des Alpenpanoramas und dem Beginn der Übertragung aus Klagenfurt zappte ich in eine alte Folge "Disco 1980" mit Ilja Richter auf ZDF Kultur und musste bei "Der Teufel und der junge Mann" von Paola gleich zum ersten Mal an diesem Tag vor Rührung weinen.<br><br>Anne Richter hatte Glück, dass am Samstag keine Bergankunft im Terminplan der Tour de France stand, sondern nur eine Flachetappe von Aigurande nach Super-Besse, weil ich mir ihren Vortrag sonst gar nicht hätte anhören können, wenn Eurosport ganztägig übertragen hätte. Samstag ging es ins Zentralmassiv, auf dem "welligen Terrain" würde es, so hatte radsport-seite.de gemeldet, aber das ist dem fachkundigen langjährigen Tourzuschauer, der sich auch von der öffentlich-rechtlichen Dopinghysterie seine Freude nicht hat vermiesen lassen, eigentlich sowieso klar, zu einem "ersten ernsthaften Abtasten zwischen den Klassementfahrern" kommen, wobei um den Etappensieg die "auf die Hügelklassiker spezialisierten Fahrer ein Wörtchen mitreden" würden, entweder "im Bergaufsprint oder sogar schon vorher mit einer Ausreissergruppe". Ein Ausreisser gewann schliesslich, ein einziger kam durch vor dem grossen Feld. Das Ganze würde sich jetzt wunderbar als Allegorie auf den diesjährigen Bachmannwettbewerb umdeuten und interpretieren lassen, aber ich habe wie erwähnt Donnerstag und Freitag gar nicht geschaut und also die diesjährigen Hügelklassikerspezialisten und Klassementfahrer gar nicht identifizieren können, selbst wenn ich gewollt hätte.<br><br>Namenstechnisch war  ich aus der Zulosung der Termine wieder als Verlierer hervorgegangen, wie im Vorjahr mit Iris Schmidt, fast alle anderen Namen schöner: Lautmalerisch und an die unendliche Geschichte gemahnend Steinbeis, ebenfalls onomatopoietisch Prassler, da denkt man an ein heftiges Gewitter oder die Füsse unter der Decke am Kaminfeuer, einen Single Malt in der Hand, Haderlap, herrlich, Assoziation zum tautologischen Haderlump, Rabinowich, da kenne ich sogar ihren Bruder Tex aus dem Internet, Bussmann, da kommt die Silbermedaille von Frank Busemann bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta ins Gedächtnis, als der spätere Sieger Dan O'Brien nach dem ersten Tag rumlief und fragte, Who the fuck is Busemann, und Frank Busemann  dachte, O'Brien  sei auf der Suche nach dem Busfahrer, Popp, spielte bis gestern bei der Frauen-WM, Reichlin, das klingt nach Landadel mit Herrenhaus in den Ostgebieten, Jürgen Klupp und Roland Wisser, beides Klassenschläger damals in der Grundschule, sehr unschöne Assoziationen hier, Baum, da hatte ich mir schon ein schönes Wortspiel mit ihrem Geburtsort Borken zurechtgelegt, wenn sie mir zugelost worden wäre, allein Randt ähnlich unspektakulär wie Richter.<br><br>Anne Richter stand also als zu beurteilender Monolith vor mir, keinerlei Massstäbe hatte ich zur Hand, die guten Gewissens anzulegen gewesen wären, abgesehen von Iris Schmidt, die ich mir letztes Jahr mehr oder weniger gezwungenermassen angeschaut hatte. Anne Richter &ndash; Ayers Rock, das waren auch die gleichen Initialen, das konnte kein Zufall sein. Als Anne Richter ihren Vortrag begann, sass ich mit Kladde und Stift bereit, mir Notizen zu machen. Nach wenigen Minuten kam es leider zu mehreren aufeinanderfolgenden Störungen, die der Konzentration abträglich waren: Zunächst klingelte der DHL-Bote mit einem Paket von Amazon, in dem der Xoomy Profi-Comic-Zeichentisch geliefert wurde, den ich im Auftrag der Kinder vor drei Tagen bestellt hatte, kurze Zeit später der reguläre Zusteller mit einem Umschlag, der wegen Übergrösse nicht in den Briefkastenschlitz passte, darin endlich die lang erwarteten kostenlosen Werbelautsprecher von Pringles, die man direkt auf eine leere Pringlesdose aufsetzen kann und diese damit als Resonanzkörper verwenden, wenn man vorher drei Deckel dafür einschickt. Kurze Zeit später gab es Ärger von den Kindern, beim Xoomy Zeichentisch waren nicht wie versprochen 60 verschiedene Motivvorlagen beigelegt, sondern nur drei, die sich je zwanzig Mal wiederholten. Es muss also reklamiert werden. Immerhin weisen die paar Notizfetzen, die mir trotzdem gelangen, einen halbwegs akzeptablen Deckungsgrad auf zu dem, was die Juroren, von denen dieser Spinnen der mit weitem Abstand unerträglichste Schmierlappen ist (professoraler Habitus at its best, dabei ist er nicht mal einer), im Anschluss so zu kommentieren hatten: Mit Ausnahmen ganz gut gemacht, die Verknüpfungspunkte fehlen manchmal, teilweise unverständliche Abschweifungen, die Dialoge ein wenig zu plakativ, Bedeutung der Motive bleibt unklar, das Ganze sehr brav, man verliert mittendrin die Lust, den Schluss unbedingt hören zu wollen, bzw. nach dem Ende die Teile, die man wegen der Postboten und der fehlenden Xoomy Motivvorlagen verpasst hat, im Netz nochmal nachzulesen.<br><br>Direkt im Anschluss an die Übertragung fuhr ich, Duplizität der Ereignisse, auch in diesem Jahr wieder Fische kaufen, dieses Mal aber keine zum Essen, sondern einen Schwarm Rote Neon fürs Aquarium.<br></p>]]></description>
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<dc:creator>Volker Jahr</dc:creator >
<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 22:46:54 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Besser im Bett]]></title>
<description><![CDATA[<p>Wenn man die Bachmannzeit im Büro absitzt, hat man mit dem sofortigen Ausdrucken und Lesen des Textes zwar nur wenig vom Kick des Spektakels, aber immerhin kann man sich in Ruhe dem Geschriebenen widmen. Aussehen, Stimme und Vortragskunst des Autors spielen keine Rolle, kein peinliches Videoporträt voller Ich-kann-nur-bei-Regen-schreiben-Geschwurbel beeinflusst das Verhältnis von Erzählung und Leser. In den Sekunden, bevor man mit der Lektüre beginnt, ist man mit sich und seinem Textverdauungsapparat allein, der durch den Anspruch dieser Veranstaltung einerseits, durch die Eindrücke der letzten Jahre andererseits konditioniert ist. <br><br>Der Anspruch (implizit, aber vorhanden), dass in Klagenfurt Texte verhandelt werden, die den <em>state of the art</em> des gegenwärtigen Erzählens darstellen oder es zumindest verdienen, mit hochwertigem Besteck öffentlich zerpflückt zu werden, lässt mich das romantisch Übersteigerte wünschen: dass das ein Text ist, der mich restlos überzeugt, der neue Massstäbe setzt, mich nebenbei noch berührt wie nur die Bücher, die ich als Kind oder Jugendliche gelesen habe, und der die Juroren sprachlos macht, höchstens die Merkbefreiten unter ihnen Haltloses dazu meinen lässt. Gleichzeitig rechne ich mit dem Schlimmsten: mit einem Text, der Literatur sein soll. Das geht meistens peinlich schief.<br><br>Als ich anfange, Daniel Wissers Text "Standby" zu lesen, stellt sich innerhalb von Sekunden Literaturverdacht ein: "Die Stirn wird betastet. Es wird ein Wort gedacht [...]." Undsoweiter. Die Verwendung der Passivkonstruktion, die die meiste Zeit durchgehalten wird, signalisiert ein Kunstwollen, das mich misstrauisch stimmt. Und ist als Kunstgriff so leicht zu übersetzen und als Bild so unfrisch (Ah! Passiv &ndash; das ist doch nicht nur ein Modus, das ist auch ein Adjektiv! Ein nicht handlungsfähiger Mensch, dem die Dinge nur passieren, der sie erleidet, der sich selbst nicht als Agierenden wahrnimmt! Der Mensch in der unübersichtlichen Welt, ein Rädchen im Getriebe ... Und er ist in der Tat gesichtsloser Angestellter eines gesichtslosen Callcenters ...), dass ich mich vom Wunschtraum Text-der-mich-restlos-überzeugt verabschieden muss. Offenkundige, anscheinend unbegründete Mängel beim Einsatz dieses Kunstgriffs bestätigen diese Entscheidung. Ich ärgere mich, weil ich von einem Bachmanntext mehr Originalität in der Themen- und Mittel-Wahl erwarte, und wenn schon nicht das, dann immerhin ein bisschen mehr Sorgfalt.<br><br>Dann kommt ein Blödsinnssatz: "Es gibt nichts Schmerzhafteres, als darauf zu warten, dass ein Tag, eine Stunde, eine Woche vergeht." Wenn so eine Aussage erkennbar eine Figur demontieren soll, geht das in Ordnung, aber als allgemeines Statement ist es unerträglicher Unfug, der auf schnellen Konsens geschnitten ist (ja, jeder kennt Langeweile, Stillstand, Perspektivlosigkeit und findets doof), aber tatsächlich jeder Konsensfähigkeit entbehrt (zumindest, wenn Schmerz für Schmerz stehen und nicht eine Schlichtes-Gemüt-Metapher für Frustration, Depression, Apathie sein soll). Jetzt ist es vorbei. Ich steige aus. Der Rest des Textes wird mit verhaltener Aggression geprüft und für schlecht befunden. <br><br>Später, zu Hause, im Bett, lese ich das Ganze noch mal. Irgendwie, und es fällt mir weiss Gott schwer, das zuzugeben: gar nicht so scheisse, der Text. Ja, die mangelnde Sorgfalt an einigen Stellen, die nicht ganz schlüssige Ausdehnung des Passivs auf andere Personen, auf leblose Objekte. Muss ich mir noch mal in Ruhe ansehen. Aber im Grunde als Kunstgriff in Ordnung. Ist immerhin mehr nach vorn, als sich die meisten anderen trauen, und eine annehmbare Idee für diese Hauptfigur. Die mich nicht rasend interessiert, die mir trotz der vordergründigen Aktualität (Callcenter) ein bisschen zu künstlich ist, um mir was Brauchbares oder Neues über Mensch und Welt zu sagen, aber egal, der Text funktioniert halbwegs.<br><br>Der Satz mit dem Bis-zu-ihrem-Herzen-Sehen: Kann man auch hübsch finden, wie durch die papierne Pedanterie von "ihm" so ein Kitschrosa durchschimmert. Das Bild, wie er die Frau mit einem Schlag aufs Sofa weckt: ziemlich gut. Seine ihn als Handelnden nicht erfordernde Erlösungsperspektive (die weltumspannende Veränderung als einzig möglicher Lebenswendepunkt, sollte das Scheidung- und Vatertod-Abwarten nicht reichen, und dann das Matriarchat): stimmig. Das nebenbei erwähnte Duschverhalten der Frau, sein An-ihren-Klamotten-Riechen: unaufdringlicher, uneindeutiger Hinweis auf ihr mögliches Fremdgehen, den der Text nicht bräuchte und der ihm guttut. <br><br>Noch immer nicht der Text-der-mich-umhaut. Wird es auch nicht mehr. Aber dass er bei der zweiten Lektüre mehr Spass macht als bei der ersten, ist nicht das Schlechteste, was man von einem Text sagen kann.</p>]]></description>
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<dc:creator>Britta Krawtschik</dc:creator >
<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 01:03:10 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Romanauszug]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:300px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/TheatercafeAngela02.jpg" width="300" height="252" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Theatercafé Klagenfurt, Home of my Heart. Foto von Angela Leinen</span></span><br><br clear="all">Nachdem ich die Geschichte einmal überflogen habe, schau ich mir noch die Aufzeichnung auf 3sat an. In der kurzen Ansprache am Anfang macht Gunther Geltinger darauf aufmerksam, dass er manchmal leicht stottert, und bittet um Nachsicht. Er erwähnt gleichzeitig, dass auch der Junge in seiner Erzählung mit diesem Leiden geschlagen ist.<br><br>Wie jetzt? Soll das heissen, dass es sich um seine eigenen Erinnerungen handelt? In seinem Videoportrait stottert er aber nicht. Oder sind die kurzen Pausen, die er beim Lesen macht, Teil einer Inszenierung, um Spannung zu erzeugen? Eigentlich könnte es mir ja egal sein, ich könnte das Verwirr-Spiel um Erzähler ist gleich oder eben nicht Autor vielleicht sogar geniessen. Allein, die Möglichkeit, der Autor kämpfe mit Sprachproblemen, bedeutet auch, er selbst könnte Opfer eines ähnlich grausamen Schicksals wie sein Hauptdarsteller geworden sein. Was bei mir Mitleid hervorruft und meinen inneren Literaturkritiker in Konflikte bringt, der Autor hat es doch eh schon schwer genug, ausserdem macht man das nicht, jemanden hänseln, der stottert.<br> <br>Es ist der Gedanke, Geltinger selbst könnte diesen Horror als Kind erlebt haben, der mich etwas wie Empathie für den Jungen in der Geschichte entwickeln lässt. Beim Lesen lässt mich das geschilderte Unglück eher kalt, es gibt einen kurzen Moment des Hasses auf die Mutter,  als sie sich zum Sterben ins Bett des Sohnes legt, aber es ist ein lauer Hass. Auch die Kacke-Kotze-Sperma-Arie reicht nicht aus, um die  Figuren für mich lebendig werden zu lassen. <br><br>Romanauszüge sind für die Zuhörer oft schwierig, es muss weit ausgeholt werden, die verschiedensten Handlungsstränge werden eingeführt. Was an Stimmigkeit einer abgeschlossenen Geschichte nicht erreicht werden kann, könnte durch die ausgelöste Neugierde aufgewogen werden; ich bleibe gerne unbefriedigt, wenn man mich mit lauter losen Enden entlässt, wenn ich dafür Figuren und Konstellationen kennengelernt habe, die mich so sehr interessieren, dass ich mehr von ihnen lesen möchte.<br><br>Hier interessiert mich der angerissene Konflikt zwischen der künstlerischen Mutter und den drögen Verwandten erst mal nicht so, was nicht zuletzt an der Ausstattung und am Kostüm liegt. Die Mutter mit ihren "Seidenfetzen, die kaum etwas verhüllen", die leere Flaschen und Tablettenpackungen produziert, kenne ich ebenso aus unzähligen Filmen und Geschichten wie die "bereits aus der Form gegangene Tante mit ihrem speckigen Morgenrock, den Filzpantoffeln" und den grausamen Söhnen &ndash; ich weiss auch schon, wie es weitergeht. <br>Dann freue ich mich aber doch darüber, wie die Tante der Mutter, kaum ist die tot, den Satz "mein armer Junge" "abluchst". <br><br>Was mein Interesse weckt, sind die kleinen Szenen zwischen Mutter und Sohn, etwa wenn der Sohn die Mutter nachäfft, wie sie die Zigarette statt der Gabel in den Mund steckt, und beide lachen, oder wie er für sie den alten Mann ohne Zähne mimt, wie er sich für sie im Kaputten einrichtet, weil es ihre gemeinsame Intimität bedeutet. <br><br>Dennoch wäre es kein Roman, den ich lesen möchte, zu sehr habe ich das Gefühl, dass es sich bei den Bildern und Figuren um Stereotype handelt. Spinnen weist in seinem Plädoyer für diesen Romanauszug darauf hin, es liege in der Natur der Literatur, dass die immer gleichen Genres sich wiederholen, und man könne den guten Autor letztlich an seiner einzigartigen Stimme erkennen, mit der er das immer Gleiche erzählt.  Mir ist diese Stimme hier zu wenig eigenständig. Als Beispiel sei die eingangs beschriebene kalte Winterlandschaft genannt, die auf den Seelenzustand des Jungen hinweist, der sich in "einer langen, vielleicht lebenslänglichen Kälte", befindet, "wenn Kälte überhaupt eine Beschreibung für den Zustand ist".<br><br>Wieder geht mir durch  den Kopf, dass hier vielleicht wahre Ereignisse abgebildet werden und dass die echte Mutter und Tante des Autors als Vorbilder gedient haben und ich bezichtigte mich der Herzlosigkeit. Es hilft aber nichts, sie interessieren mich deshalb nicht mehr.<br><br>Der Autor trifft mich in einem ungeheuer schlecht gelaunten Zustand an. Ich sitze hier inmitten von Arbeit am Schreibtisch, wo mir der Kaffee ausgegangen ist, während ALLE anderen ihren "Grossen Braunen" beim Public Viewing im Freien einnehmen, danach radeln sie ins Maria Loretto und springen in den kühlen Wörthersee. Später tanzen sie dann um den Lendkanal, wo Tex auflegt, bevor sie gemeinsam den Abend mit anregenden Gesprächen im Theatercafé ausklingen lassen. Das Leben ist so ungerecht, verdammte Kacke Kotze.</p>]]></description>
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<dc:creator>Michaela Gruber</dc:creator >
<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 23:48:29 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Der unerträgliche Buzz der Krise]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:250px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/schatzsucher.jpg" width="250" height="187" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Schatzsucher</span></span><br><br clear="all"> Die Voraussetzungen waren schlecht: Maximilian Steinbeis' Roman Pascolini hat mir nicht gefallen und ich nehme es immer noch übel, wenn jemand der Blog sagt (Steinbeis schreibt nach eigenen Angaben "den Verfassungsblog"). Es kann doch nicht so schwer sein, Blog von Weblog abzuleiten und zu verstehen, dass es das Log, also auch das Blog heisst. <br><br>Die technischen Voraussetzungen der Lesung selbst verbesserten die schlechte Ausgangslage nicht: Ton und Bild des Bewerbsvortrags sind im Stream verschoben, so dass ich mich wie in einem Lippenleselernkurs daran aufhänge, welche Mundbewegung wohl welches Wort ist. Jedes Mal, wenn die Kamera frontal auf den Autor gerichtet ist, krisselt das Bild wegen H.P. Mayas diesjähriger Dekoration, der Lesetisch aus aufeinander gestapelten Papierbögen und die Wiederholung des Motivs im Hintergrund haben so feine Linien, dass sie eine optische Täuschung ergeben und anfangen sich zu bewegen. Bevor man sich versieht, schwirrt alles durcheinander, die Bilder, die Mundbewegungen, die versetzte Tonspur und ich denke mir: "Was für ein Abenteuer, ich glaube sogar schon, es geht hier um einen vergrabenen Schatz."<br><br>Aus dem Krisselstreamabenteuer dringen lauter Imperative zu mir vor: "Geniessen Sie", "Denken Sie", "Lassen Sie" und vor allem immer wieder: "Hören Sie." Da will jemand was von mir, das ist trotz aller Umstände nicht zu überhören. Hören Sie, Hören Sie, Hören Sie, ich höre ja schon, aber was höre ich da? "Sie haben ein Bad genommen und sich tüchtig ausgeschlafen." Übersetzung aus dem Englischen bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur? Auf Englisch nimmt man ein Bad, auf Deutsch badet man einfach. "Sie haben gebadet", müsste es heissen, nichts mit Nehmen. Das "tüchtig" in diesem Satz ist so ein typisches Störwort, wie ich es schon aus Pascolini kenne. Vielleicht soll das alles aber auch nur Ausdruck des Goldanstiftercharakters sein, in dem Fall dürfte der dann sogar ungestraft sagen, dass der Bankmensch "aus seinen traurigen braunen Augen blinzelt".<br><br>Aber ich bin ungerecht, der Text ist am Ende ganz gut, weil zeitkritisch auf eine doppelbödige Art und Weise. Er hat den grossen Pluspunkt, ein abgeschlossener Text zu sein (keine vorherige Erklärung vonnöten wie gleich beim Eingangsromanauszug von Gunther Geltinger). Ich stimme Daniela Strigl in ihrem Lob zu, Persiflage auf Ratgeber-Literatur, Satire, sehe wie Meike Fessmann den Mephisto-Aspekt, finde aber, dass Burkhard Spinnen seinen Kandidaten mit dem Urteil "grandios" zu sehr hochjazzt. AC Sulzer bemängelt, dass es keine Personen gibt, er wisse nicht, wer da spricht. Ich würde sagen: der kollektive Buzz der Krise. Für mich war das eine gute Idee, die auch gut zum Bewerb passt und einigermassen gut entwickelt wird, wenn auch mit einigen sprachlichen Mängeln. <br><br>Anzahl der Parameter, die zum Vergraben eines Schatzes nötig sind: 4 (Markierung, Zeichen, Code und Schlüssel)<br>Anzahl der Biber im Text: 0<br>Anzahl der Rucksäcke: 1</p>]]></description>
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<dc:creator>Monika Scheele Knight</dc:creator >
<pubDate>Fri, 08 Jul 2011 12:07:41 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Unter Räubern]]></title>
<description><![CDATA[<p>Ich bin müde.<br>Ich wollte gestern einmal früher schlafen gehen, mein Rhythmus ist anders, ich bin Eule, aber um viertel nach sechs muss ich aufstehen, will ich keine Rabenmutter sein. Nachts als Eule schlafen gehen und am Morgen als Lerche aufwachen, das wär's. <br>Nur noch ein paar Seiten lesen. Ich schaltete das Internet aus und den Fernseher nicht an, liess mit einem Zischen die Luft aus einer Dose Erdnüsse und warf ein paar Reste in den Mixer. Viel Eis, ein paar gefrorene Himbeeren, Alkohol, Minze, Zitronensaft, etwas Zucker. Interessant: Das wurde über Stunden nicht flüssig. Praktisch: Als ich das Glas umwarf, richtete das Getränkehäufchen keinen Schaden an umliegenden Gerätchen und Papieren an und musste nur wieder ins Glas gefegt werden.<br>Nur noch ein bisschen lesen, dann ins Bett.<br><span class="bild"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/pascolini_.jpg" width="250" height="250 alt=""></span> <br>Die bisher gelesenen Kandidatenbücher konnte ich an jeder beliebigen Stelle (zum Teil sehr kurz nach dem Öffnen) schliessen und hatte nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Anders war es mit <a href="http://www.amazon.de/gp/product/335103296X?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=335103296X">"Pascolini" von Maximilian Steinbeis</a>. Bei Bill Bo, der letzten Bande, mit der ich zu tun hatte, spricht jeder Räuber einen anderen Dialekt. Die Bande von Hias Pascolini ist homogener, ihr gehören praktisch alle Katholiken des bayrischen Ettengrub an. Die Fremden, die Protestanten, die Oberpfälzer und Franken, die gehören nicht dazu. <br><br>Erzählt wird aus der Sicht von Camilla Friedmann, zu- und wieder weggezogen, evangelisch, heute Strafverteidigerin, die als Kind mit Schwester Marina und Mutter eher zufällig zwischen die Fronten gerät. <br>Es gibt Helden, gute, böse und fade, man zertrümmert Nasenbeine, schiesst auf Minderjährige, sprengt Staatssekretäre in die Luft und knüpft junge Polizisten auf. Wunderheiler, Drogentote, Vergewaltigung, Separatismus, Volksjustiz. Jede Menge strammer Waden. Der Tennisclub als Versammlungsstätte der Protestanten &ndash; später Hauptquartier der Gegenarmee. Ich las, bis ich den Kampf verlor. Heute morgen, als ich die letzten 30 Seiten las, hatte ich allerdings den Verdacht, letzte Nacht ein, zwei Morde verschlafen zu haben.<br> <br>Ich überschlage die Automatische Literaturkritik und finde (Blick getrübt durch haltlose Gutfindung) 8 Pluspunkte und keinen Minuspunkt, trotz Bodycount-Abschaffung. War alles so aufregend, dass ich auf Minuspunkte nicht achten konnte. <a href="http://gedankentraeger.de/?p=2096">Moni schrieb auf gedankenträger</a> von Klischee-Adjektiven, schlechten Synonymen (Wolf-Schneider-Minuspunkt) und überbordenden Beschreibungen, und alles ihre Beispiele stimmen natürlich, auch wenn ich fand, dass die Sache mit dem Flügel das Umfeld treffend darstellte. Die Nase, das "freundliche Organ", nuja, aber die Haare vom Hias sind "ein dichtes lockiges Kälberfell", und darunter kann ich mir mal was vorstellen. Moni stieg auf Seite 68 aus, ich überflog die Beschreibungen, wie ich es immer mache mit Beschreibungen und fand die Geschichte grossartig. Keine Langeweile.  <br><br>Schlimm aber: Es ist für mich nicht vollständig unvorstellbar, dass so etwas in Bayern noch neulich passiert sein könnte. <br> <br>Maximilian Steinbeis liest auf Einladung von Burkhard Spinnen. Er ist Jurist  und schreibt das <a href="http://verfassungsblog.de/">Verfassungsblog</a>, das ich gleich besuchen werde, um etwas über die Verfassung Islands zu erfahren. Auf sein <a href="http://bachmannpreis.eu/de/autoren/2979">Videoportrait</a> werden Minuspunkte herabprasseln. Sein erstes Buch "Schwarzes Wasser" gibt es zur Zeit ab 233,47 Euro bei Amazon Marketplace. Indiziert?</p>]]></description>
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<dc:creator>Angela Leinen</dc:creator >
<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:00:50 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Lieber drinnen als draussen]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:500px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/bielefeldbeweise.jpg" width="500" height="375" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Bielefeld </span></span><br><br clear="all"><br clear="all"><br>Von Antonia Baum gibt es noch kein Buch. Als ich aber am Montag die FAS durchblätterte, wunderte ich mich über eine Rezension zu Andreas Doraus Album "Todesmelodien". Da geht es in den ersten 25 Zeilen ums ICE-Fahren, und das einzige, was mich daran froh macht, ist, dass Bielefeld (jaja, das gibt es wirklich) verschont wird. Geschrieben hat das Antonia Baum. Sie ist wohl das "man", das nicht begreift: "Was man sieht, ist nur der Bildschirmschoner, denkt man, aber dann hält der Zug an irgendeinem Bahnhof, und wieder: Man begreift es nicht." Was gibt es daran zu begreifen oder nicht zu begreifen? Da wohnen und arbeiten Leute, also hält der Zug, Leute steigen ein und Leute steigen aus. "Man möchte Wolfsburg, Kassel oder Braunschweig begreifen, man begreift es aber nicht, ..." <br><br>Was das mit Andreas Dorau zu tun hat: Dass die Autorin beziehungsweise dass "man denkt, man sei alleine mit der Unbegreiflichkeit" (bzw. ihrem Unvermögen zu begreifen) dem ICE, Kassel, Wolfsburg, Braunschweig und Andreas Doraus neuem Album gegenüber. Mir dagegen ist unbegreiflich, warum die Autorin einer Service-Kraft, die einfach ihren Job macht, vielleicht nicht mal ungern, unterstellt, dass es ihr "überhaupt nicht gut gehen kann in ihrem Deutsche-Bahn-Kleid." Nur, weil sie selber nicht gerne so ein Kleid anziehen würde? <br><br>Man begreift es nicht. Kassel ist einfacher. Aber wieso sind eigentlich alle, wirklich alle Schranken zu?<br><br>Antonia Baum sitzt im <a href="http://bachmannpreis.eu/de/autoren/2941">Videoportrait</a> in einem Berliner Café, sieht ganz anderes aus als auf ihrem Autorenfoto und ist lieber drinnen als draussen. Im September erscheint ihr erster Roman <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3455402968?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3455402968">"Vollkommen leblos, bestenfalls tot"</a>, Artikel von ihr kann man in <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/antonia-baum">der Freitag</a> nachlesen. Sie liest auf Einladung von Hubert Winkels.</p>]]></description>
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<dc:creator>Angela Leinen</dc:creator >
<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 12:23:40 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Herzkasper (1-157)]]></title>
<description><![CDATA[<p><a href="http://bachmannpreis.eu/de/autoren/2966">Julya Rabinowich</a>, in Sankt Petersburg geboren, als Kind schon nach Wien gekommen. Finde ich im Video sympathisch, in <a href="http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-862011-schreiben-ist-wie-eine-eiterbeule.162.html">diesem Interview</a> auch. Da erwähnt sie ein <a href="http://derstandard.at/1288160305059/Integrationsdebatte-Julya-Rabinowich-Wir-haben-das-Ministerium-der-Liebe?seite=1#forumstart">Interview im Standard</a> und die Kommentare dazu. Verlinkt, weil mir dieser Kommentarton beim Standard schon mal aufgefallen ist. Ist das Österreich? Gibt es das hier auch bei eigentlich seriösen Portalen? Sagt eigentlich noch jemand "Portale"?<br><br>Ist der ORF daran schuld, dass Autoren in diesen Protraits so oft in Kaffeehäusern andere Leute belauschen? Sitzen in Österreich die Autoren in Kaffeehäusern und lauschen und in Deutschland die Autoren im Café und faulenzen?<br><br>Ich habe gelesen<br><br><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3552061584?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3552061584">Herznovelle, Julya Rabinowich<span class="bild"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/herznovelle.jpg" width="250" height="250 alt=""></span></a><br><br>Das Titelbild gefällt mir, dieses mohairgestrickte Herz, das erinnert mich an den gestrickten Uterus aus dem Geburtsvorbereitungskurs, aus dem man eine ziemlich naturgetreu hässliche Embryopuppe winden konnte. <br><br>Es gibt noch mehr, was mir gefällt: Die kleinen EKG-Kurven zwischen den Abschnitten. Dass ich ein neues Wort gelernt habe ("greigefarben", das muss ich nicht kennen, das hat erst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Giorgio_Armani">Giorgio Armani</a> erfunden, ist es das, was früher "Kitt" hiess?). Ich glaube auch die Sprache, ganz originelle Bilder (manche etwas umständlich vorzustellen, Sorgen als Matrjoschka-Puppen, hm), sehr sorgfältig, gerade so ungewöhnlich, dass es noch nicht nervt. <br><br>Die Geschichte: Nach einer Herzoperation dreht die Ich-Erzählerin ab, gerät in Lebensretter-Liebes-Stalking-Wahn gegen den Chirurgen, lässt sich mehrmals wieder ins Krankenhaus einweisen und kehrt am Ende in ihren langweiligen Haushalt zu ihrem langweiligen Mann zurück.<br><br>Aber.<br><br>Ich hatte es an einem Nachmittag durch:  Alles, was ich für Traumszenen hielt (ein paar vielleicht zu Unrecht), habe ich ausgelassen. Ich habe nämlich eine Traumallergie, gegen literarische Träume. Meine eigenen Träume sind dramaturgisch hochwertig und psychologisch schlicht, auch der Horrorstreifen vom blutigen Überfall einer gewalttätigen Rotte Pariser Vorstadtjugendlicher auf einen Campingbus, den ich träumte, als ich vorige Woche in einer Pariser Vorstadt in einem Campingbus übernachtete (das Opfer war ich, das kriegt kein Spielfilm hin). Die Frau in dem Buch träumt aber immer von diesem Arzt, an den sie auch wach ständig denkt. Ich mag Träume in Büchern nicht. So ist das eben. Dieses ganze Psychodings finde ich besser an wachen Menschen dargestellt.<br><br>Auch nur überflogen: Die lyrischen Passagen. Die ganze Herz-Metaphorik. Weil der Arzt ihr Herz in der Hand hatte, ist er jetzt ihr Held, ok. Aber Lyrik nicht mein Ding. Nicht so.<br><br>Und noch: Ich mag die Figur nicht. Nicht, weil sie irre wird, sondern wie sie ist, wenn sie nicht irre ist. Dass sie irre wird, ist nachvollziehbar aber dann auch schon das Interessanteste an ihr. Ihr soziales Leben besteht aus 1 Mann (Bernhard, Freund regelmässiger Mahlzeiten und Überstunden), 1 Freundin (Carla, überdrehter Gegenentwurf zur Ich-Erzählerin) und 1 Mutter. Kinderwunsch? Hm, keine richtige Meinung. Arbeit, Kollegen, Freunde, Leidenschaften? Ok, nachvollziehbar, dass sie sich voll auf den armen Arzt stürzt: Ist ja sonst nichtsl los in ihrem Leben.<br><br>Für Leute ohne Traumallergie, die mehr Verständnis für die Kranke aufbringen als ich, warum nicht? Kein Urteil von mir. Das ist wie mit Frankfurter Kranz: Kriege ich nicht runter, erkenne aber sowohl die Leistung des Konditors als auch die Berechtigung seiner Existenz an.</p>]]></description>
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<dc:creator>Angela Leinen</dc:creator >
<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 17:05:02 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Adventskalenderverse]]></title>
<description><![CDATA[<p>Die Klagenfurt-Adventszeit beginnt mit der Verkündung der Kandidaten, dieses Jahr war das am 25. Mai. Danach öffne ich dann Türchen für Türchen: Leseproben der Kandidaten, das Erscheinen der Vorstellungsfilme, Interviews mit Kandidaten und Juroren, Kleiderschranktür fürs Packen und so weiter. <br><br>Noch am Morgen der Verkündung (also vor Kenntnis) der Kandidaten haben Frau Passig und ich die <a href="https://docs.google.com/document/d/1CvANIOEDGGTiMWfvI_rCcBTJPZZrl0c70-FH6Z5DpGM/edit?hl=de">Kriterien der Automatischen Literaturkritik der Riesenmaschine</a> aktualisiert und dann vergessen, das Doc wieder freizuschalten. Es ist aber kein Schmu passiert, schschwöre! <br><br>In den Vorjahren habe ich mich stets bemüht, von allen Kandidaten etwas zu lesen. Damit bin ich dieser Jahr im Hintertreffen, schuld ist das neue eBook. Da ist schon so viel zu lesen drin, dass ich gar keine Papierbücher mehr herumtragen will. Von den Bachmannkandidaten gibt es aber nicht allzuviel als eBook. <br><br><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3854153384?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3854153384"><span class="bild"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/dopplergasse_acht.jpg" width="250" height="250 alt=""></span></a><br><br>Ich beginne mit Daniel Wisser, geboren 1971 in Klagenfurt, der mir das dusselige Adventsbild eingeimpft hat. Das Haus Dopplergasse acht in diesem "Roman in 45 Strophen" ist das "Adventskalenderhaus". 24 Fenster? Der Ich-Erzähler sitzt im Haus Dopplergasse 5 und schaut sich das Haus gegenüber an. Da wohnt "meine Ingrid" und noch ein paar andere Gestalten, zum Beispiel die Mezzaninfamilie, bei der "immer der Fernseher rennt". <br><br>Das ganze ist in Verse aufgeteilt, so spart man sich die Satzzeichen, alles kleingeschrieben, da freut sich der Korrektor, fast nix mehr zu tun ausser Buchstabendreher suchen, alles andere ist Kunst. Vorteil: Auf diese Art passt nicht viel Text in das kleine Buch (93 Seiten). Jede Strophe, und sei sie noch so klein, fängt auf einer neuen Seite an, da passt viel Weiss hinein, ist das Bescheidenheit oder Faulheit? Mir ist es unter beiden Gesichtspunkten recht. <br><br>Deshalb ist "Dopplergasse acht" ein leichter Einstieg:  <br>da ist <br>bevor der kaffee kalt ist <br>ein drittel gelesen<br>beschwingt und gestärkt durch austriazismen <br>worauf ich heute fast vergessen hätte <br>schöne Komposita<br>mezzaninbräute mopedritter<br>und die erwartung<br>beim weiterlesen mehr über einen <br>unlängst ermordeten besenbinder <br>dopplergasse fünf <br>zu erfahren <br>begebe ich mich an die arbeit. <br><br>Daniel Wisser liest auf Einladung von Paul Jandl. Ich darf schon verraten, dass er bei seinem Vorstellungsvideo sehr, sehr wenig falsch gemacht hat (man könnte über eine Spiegelung diskutieren). Erwartungen: Keine. Gerade diese Kleinkunstmenschen laufen in Klagenfurt oft mit ganz anderem Kram auf, dicken Familienromanen, klassischen Kurzgeschichten. <br><br>Für sein nächstes Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/390266536X?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=390266536X">"standby"</a> will er <a href="http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/bachmann/2773458/daniel-wisser-fuer-jeden-text-eigene-form.story">"eine eigene Sprache und eine eigene Form finden"</a>, ob das Drohung oder Verheissung ist, erfahre ich vielleicht schon nächste Woche: Daniel Wisser liest in Klagenfurt einen Text, der irgendwie mit diesem Roman zusammenhängt, aber kein Ausschnitt daraus sein soll (Umgehung von Minuspunkt 27.)</p>]]></description>
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<dc:creator>Angela Leinen</dc:creator >
<pubDate>Tue, 28 Jun 2011 14:41:52 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Penrose for president (1-56)]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/cyclesoftime.jpg" width="250" height="383 alt=""></span>Ein Buch über die Entstehung des Universums, und im Stichwortverzeichnis steht nichts zwischen "Gluon" und "Gold, Thomas". Was soll man dazu sagen, es ist so erleichternd, nachdem Hawking neulich mit seiner <a href="http://exquisitelife.researchresearch.com/exquisite_life/2010/09/the-faustian-pact-hawking-greedy-reductionism-.html">halbgewalkten</a> <a href="http://archiv.kath.de/index.php?id=187&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3150&timestamp=1284567960&cHash=0beffca659">Pseudophysik</a> tagelang in den Twittertrends war. Zur Hawkings Ehrenrettung nehme ich probehalber mal an, dass seine Behauptung, Gott liesse sich per Physik wegerklären, ein Marketing-Gag war, umso erfreulicher, dass Penrose auf solcherart Quatsch verzichtet. Braucht er ja auch nicht, sein Buch kaufen sowieso alle, weil er eine Stimme hat wie ein Computer. Oh, Moment.<br><br>Und während Kollege <a href="http://twitter.com/plomlompom">Christian Heller</a> <a href="http://www.plomlompom.de/wiki/pmwiki.php?n=Mind.TheRoadToReality">mit seinem Kopf</a> mal wieder versucht, "The Road to Reality" zu lesen, den <a href="http://lesemaschine.de/index.html?nr=20071101182938">Penrose-Wackerstein</a> mit allem, was man zum Leben braucht, mache ich inzwischen mit dem Neuen weiter, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0224080369?ie=UTF8&tag=lesemaschine-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=0224080369">Cycles of Time</a>. Statt 1000 Seiten nur 200, und es geht hier nicht um Alles, sondern <em>nur</em> um eine neue Theorie zur Entstehung von Allem.<br><br>Ach, Penrose. Penrose lesen ist wie Heimkehr, er fängt einen Gedankengang an, und ich weiss schon in den ersten Sätzen, wo er ungefähr hin will, nicht, weil er sich wiederholt, obwohl das auch vorkommt, sondern weil seine Präferenzen klar sind, seine Lieblingsthesen und die Bilder, die er am liebsten hervorholt. Ich weiss, wann ich querlesen kann, wann ich aufpassen muss, und wann es auch so irgendwie geht, weil die Struktur der Argumente so drin ist wie die Struktur der riesigen Wohnung von damals; Vorsaal, ein wirklich endloser Flur, erste Tür rechts Schlafzimmer, zweite Tür Sauna, usw., ganz hinten am Ende Bad und Spielzimmer. Als wir so mit 10 genug gespielt hatten, zog ich ins Schlafzimmer und las <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Iosif_Shklovsky">Schklowskis</a> Buch über Sternentwicklung, das ich erst 15 Jahre später halbwegs verstand. Ein Buch mit einem harten, stechenden Geruch, für alle Zeiten der Geruch des grossen WTF. Gerade ausprobiert, ein schwacher Hauch davon hängt heute noch im Schklowski. Aus dem Spielzimmer hingegen wurde das seltsame Reich meines Bruders mit Petshop Boys und anderem Unfug. Das waren dramatische Zeiten, aber ich schweife ab.<br><br><span class="bild" style="width:520px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/oderberg2.jpg" width="520" height="344" alt=""><br><span class="bildunterschrift"><a href="http://www.flickr.com/photos/garibaldi/424636293/in/photostream/">Quelle</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.en">Lizenz</a></span></span><br><br clear="all"><br clear="all"><br>50 Seiten über Entropie, bliss. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik jedenfalls, der mit der Entropie, ist vermutlich mein Lieblingsnaturgesetz, obwohl es natürlich gerade dabei ist, mich umzubringen. Einmal, weil es so kryptisch heisst, aber doch so universal und alltäglich ist. Dann, weil es nicht so einfach zu quantifizieren ist wie, sagen wir, die Schwerkraft, obwohl auf den ersten Blick so einleuchtend. Auch, weil es seltsam ungenau ist, keine Gleichung, sondern eine Ungleichung, nie wirklich 100% exakt. Ein Naturgesetz, das nicht genau ist, wie schön. Und dann, weil es allem anderen komisch übergestülpt ist, man nimmt Newton und Maxwell und den ganzen anderen Dreck und setzt den zweiten Hauptsatz noch <em>oben drauf</em>. <br><br>Es sieht so aus, als habe der 2. HS ontologisch einen anderen Status als der Rest der Naturgesetze, insofern, als dass es nicht möglich scheint, in jeder Situation exakt anzugeben, was die Entropie eigentlich ist; Entropie scheint mehr ein Konzept zu sein und weniger da draussen existent als andere Sachen wie Energie, Geschwindigkeit, Marsriegel. <br><br>Und dann natürlich noch der richtige Hammer, denn im Gegensatz zu den wirklich meisten anderen Gesetzen da draussen hat der 2. HS eine Richtung in der Zeit. Alles, was Atome so auf mikroskopischer Ebene treiben, dieses ultrakomplexe Billardspiel untenrum, könnte genausogut auch andersrum in der Zeit ablaufen, und wir würden keinen Unterschied bemerken. Aber baut man nur genug von diesem Zeug zusammen, errichtet der 2. HS unweigerlich einen Zeitpfeil. Rückwärts in der Zeit sieht auf einmal albern aus, das kaputte Ei springt zurück auf den Tisch und repariert sich dabei selbst. Lustig. <br><br>Die Welt fällt immer weiter zu wahrscheinlicheren Zuständen. Aber warum nur? Die Antwort von Penrose ist fast zu doof, um sie hinzuschreiben, aber was solls: Weil sie aus weniger wahrscheinlicheren Zuständen kommt. Je weiter man in die Vergangenheit geht, umso unwahrscheinlicher wird der Zustand, in dem man die Welt vorfindet, bis man ganz vorne, ganz am Anfang, einen irre grossen Klumpen Unwahrscheinlichkeit findet und ihn dann Urknall nennt. So ist das. Der Urknall ist schuld daran, dass das Ei nicht zurück springt. <br><br>Manche sagen, der 2. HS sei gar kein richtiges Naturgesetz, sondern wird (hoffentlich) schon noch irgendwie unten rausfallen, wenn man mal alles weiss. Andere sagen, er sei DAS Naturgesetz schlechthin und alles andere fällt unten raus. Penrose steht in seltsamer Weise dazwischen; einerseits will er die Entropie nicht da draussen in der Welt haben, andererseits baut er aus dem 2. HS das gesamte Universum. Kommt alles später.<br><br><div class="progressbar_border"><div class="progressbar" style="width: 26%;"></div></div><p class="progressbartext">56 von 220 Seiten</p></p>]]></description>
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<dc:creator>Aleks Scholz</dc:creator >
<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 01:45:58 +0200</pubDate>
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<title><![CDATA[Ist Fleisch mein Gemüse? (0-17)]]></title>
<description><![CDATA[<p><span class="bild" style="width:500px"><img src="http://lesemaschine.de/bilder/upload/eatinganimals1.jpg" width="500" height="375" alt=""><br><span class="bildunterschrift">Zwischen Tier und Essen.</span></span><br><br clear="all"><br clear="all"><br>Als ich das Buch "Eating Animals" von Jonathan Safran Foer erwerbe, fragt mich die Buchhändlerin, ob sie mir das Buch "Eating Animals"  von Jonathan Safran Foer in ein Sackerl packen solle. Ohne lange nachzudenken, sage ich, ja, bitte, sonst nie, aber heute schon, weil, ich müsse gleich noch einen Fischkauf tätigen, denn genau das hatte ich vor, und ich wollte nicht 344 Seiten lang den mürbe werdenden Odeur von Bachsaibling einatmen. Sie schaut mich beim Eintüten  mit einem leicht gequälten Lächeln an, als hätte ich einen schwachen Witz gemacht. Erst Stunden später fällt mir auf, dass man das in der Tat für einen schlechten Witz hätte halten können.<br><br>Ich esse gerne Tiere. Und ich finde Tiere ebenso super, wenn sie intakt und in Betrieb sind. Seltsamerweise &ndash; und das fällt mir jetzt beim Lesen auf &ndash; sind die Tiere, die ich gerne esse, sogar genau die, die ich im lebendigen Zustand besonders sympathisch finde. Schafe zum Beispiel. Oder Oktopusse. Beim Tauchen sah ich einmal einem stattlichen Oktopus beim Verrichten oktopusartiger Tätigkeiten zu. Etwas Schöneres habe ich selten gesehen. Ganz offensichtlich spielfreudige, listige, freundliche, neugierige und kluge Tiere. Aber hey, die Trattoria "Zum lustigen Tiefseetaucher" hat frische Calamares im Angebot? Nur her damit! Das kann man zu Recht kritisieren, ebenso wie meinen fadenscheinigen Hinweis, immerhin würden maritime Kopffüssler nicht in Legebatterien gehalten. Möglicherweise werden sie ja doch?<br><br>Man weiss so wenig. Vermutlich habe ich mich bisher nicht mit Tiere-Ess-Fragen   beschäftigt, weil mir die öffentliche Diskussion so quasireligiös erschien, und ich eine gründliche Abneigung gegen das Prinzip des Missionierens hege. Ein Blick in die Amazon-Rezensionen zu "Eating Animals" bestätigt das Schema: "Leider hat Jonathan Safran Foer völlig die Erkenntnisse von Professor [völlig unbekannter Name] unterschlagen, nach denen bekannterweise [völlig abstruse Theorie]!!! Wie kann man so etwas Selbstverständliches nicht erwähnen ??? Leider 0 Sterne !!!"<br><br>Wieso kaufe ich dann also dieses Buch? Erstens ist das Cover kuhweidengrasgrün und hat eine schöne Krakeltypographie. Zweitens gefällt mir die lakonische Schlichtheit des Titels (das dürfte vom Titelerfinder auch so beabsichtigt sein). Und dann scheint mir der unbedarfte, undogmatische Blick eines JSF, der, wie er in der Einleitung erklärt, bisher ein opportunistischer Tralala-Teilzeitvegetarier war, schon mal sympathisch. Man wird sehen, ob sich meine Liste von zu essenden Tieren geändert haben wird, wenn ich bei Seite 344 angelangt bin. <br>Ich halte zur Sicherheit notariell fest: Bei Seite 0 umfasst diese Liste mehr oder weniger die Gesamtheit der Fauna.</p>]]></description>
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<dc:creator>Maik Novotny</dc:creator >
<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 23:53:28 +0200</pubDate>
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